Was Ddos und Publizistik gemeinsam haben


DDos ist eins der derberen Mittel der Netzpolitik aus dem schönen Neandertal. Zwar wirksam, jedoch nicht elegant, nicht charmant, nicht ästhetisch.

Das massenmediale System Ddos setzt Information quantitativ ein.

Das tun Shitstorms, Massenmails, Mehrheitsentscheidungen in der Politik, gross aufgezogene Marketingstrategien, Werbekampagnen und Meinungsmache mit hohen Auflagen, Quoten und Reichweiten ebenso wie Petitionen, wenn auch weniger offensiv und destruktiv: Sie konstruieren Wahrheiten und Realitäten durch ein Mehr, durch ein mengenmässiges Verdrängen anderer Informationen aus dem schnelllebigen Tagesbewusstsein im Fokus der Aufmerksamkeit.

Die Masse macht’s.

Der Multiplikator mit vielen Kontakten und breiter Streuung gestaltet die Wirklichkeit.

Quantitative Verbreitung von bestimmten Inhalten findet auf vielfältigen Kommunikationskanälen und Medien statt: Werbeflächen, Spam, Nachrichten, PR, Werbung, Ddos, Computerviren, Medien, Bücher, Zeitschriften, Magazine, Blogs, Webseiten, Zeitungen, Abstimmung bei der Wahl, Tv-Sender, Ad’s, Plakate, Werbeträger, Radiosender, Podcasts, VOD, itv,iptv,webtv, smart tv, soziale Netzwerke, Flyer, Aufkleber, Banner, Petitionen, Bürgerbegehren.

Wie fromm die Entwickler der Pagerank-Algorithmen auch tun: Die pure Quantität der Backlinks, nicht etwa deren Qualität, bestimmt immer noch, wie bekannt eine Webseite wird.

Gehirne werden GeDdost von irrelevanten News, Werbung, ADs und Spam

Ge-brain-Ddos-t von informellem Überangebot

Quantität statt Qualität.

Die Leute sind überreizt und informationsüberflutet.
Daraus resultierend wird empfohlen:

In der Kürze liegt die Würze.

Und so war DER Trend im Spät-90erJahre-Webdesign : Minimalismus statt grafisch überladene Sites.

Kurz und gut.

Kurz und knapp.

Kurz und präzise.

Zuviel des Guten ist zu viel.

Zuviel ist Zuviel.

Emoticons sagen so viel wie ein Satz.

Mit Kürz3LChAtslanG: Abkürzungen im Netzjargon lässt sich alles Wesentliche unter Zeitersparnis formulieren.

„tl;dr“ bedeutet bezeichnenderweise „too long – didn’t read“, aber gerade diese Antwort finde ich problematisch!

„zu lang“- das Kürzel scheinen Menschen direkt von Computern übernommen zu haben:
Aus der Sicht von Betriebssystemen zu lange Ordnernamen bewirken, dass das OS sich weigert,
den Ordner mit dem „zu langen“ Namen zu lesen oder dessen Namen zu ändern……

oder der Quatsch mit dem Overtagging auf wordpress:
Es wird empfohlen, Artikeln maximal 13?15?10?5? Tags plus Kategorien zu verpassen,
weil sie sonst aus diversen Indices rausfallen würden.

The more tags you use, the less likely it is that your post will be selected for inclusion in the topics listings.


http://en.support.wordpress.com/posts/categories-vs-tags/

Diese Vorschrift hat mich schon oft geärgert, und ich halte nach wie vor
das Taggen mit meinetwegen 100 tags für adäquat, wenn die tags zum Artikel passen.

Weniger ist mehr.

Die perfekte Überschrift und ein guter erster Satz.

Ein gutes Foto statt vieler Worte.

„too much a cha cha cha!“ (Zitat Georg Ringsgwandl)

GeDdost und overclocked bis über den Burnout hinaus von überbordenen 2doLists, Erreichbarkeitswahn, randvollen Terminkalendern, unstrukturierten Datenbergen,zu langen Sätzen und Texten, überfrachteten Assoziationsketten, Verbaldiarrhoe, Redeschwällen, Logorrhoe, medialer Reizüberflutung – dabei ist es doch nur der Umgang mit Wahrnehmungsfiltern, Auswahlkriterien, Navigation und Struktur.

Der Blick fällt zuerst auf das, was ganz oben auf dem Stapel liegt, ganz vorne im Regal steht, was aktuell ist,
was allein durch seine Werbeflächengrösse ins Auge springt.

Wer hat schon Zeit, das Kleingedruckte zu lesen.

Es wird empfohlen, die Twitter-140Zeichen-Kurzform, die SPO(SubjektPrädikatObjekt)-Sätze aus Pflege und Medizin, die Kürzel zu bevorzugen.

Bei allem Respekt vor den Meistern der Aufmacher, den Eminenzen der Lead-Schreibe, den Göttern der Titeltexte, den Genien der Schlagzeilenformulierungen, den Virtuosen der Teaser:
Werden in Zeiten, wo ein einziges Facebook-Script über 40 DINA4-Seiten Code umfasst , wirklich die peppigen, prägnanten und kurzen Slogans eher wahrgenommen?
Wo doch erst seitenlange Kaskaden von feinziselierten Nebensatzverschachtelungskonstruktionen den wichtigen Kontext realitätsgemäss und angemessen verdeutlichen.

Angeblich vollzieht sich seit längerer Zeit ein Wandel vom einseitigen Helikopterjournalismus, der Nachrichten, ohne zu reagieren, geballt abwirft, zum Dialog.

Meine konkrete Erfahrung ist jedoch, dass die meisten Kommentare, Mails, Blogartikel und Facebookposts NICHT beantwortet werden, und wenn sich eine Diskussion entspinnt,
ist diese oft oberflächlich, inhaltlich nicht sehr tiefgründig und wird stilistisch wieder – von der Kurzform beherrscht.

Facebook-Posts, die älter als 2 Tage sind und die meisten Facebook-Mails, insofern nicht an persönliche Bekanntschaften, werden grundsätzlich nicht beantwortet

Viele Blogger haben ihre Kommentarfunktion wegen dem vielen Spam komplett gesperrt.

Dieses Blog hier bekommt seit mehreren Jahren fast ausschliesslich Spamkommentare….(mehrere tausend inzwischen)
Deshalb ist es völlig unwichtig, wie und warum dieser Artikel geschrieben wurde und worum es ihm geht.

Will dieser Artikel etwa gar über die Gemeinsamkeit von diskreditierten und anerkannten Medienformen philosophieren?

Die Qualitätsdiskussionen vorantreiben?

Oder gar : ganz mechanisch „Traffic generieren“? zu wem? wozu überhaupt?

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